Leid entsteht
Leid entsteht, wenn die Ratio regiert
Die Buddhisten sagen: "Schaue wie das Leben kommt, wie es sich verändert
und wie es wieder geht." Würden wir unser Leben und unser Erleben
so unmittelbar umsetzen, wären wir ewig im Fluss. Doch das tun wir nicht.
Unsere Ratio, das Geplapper unseres Denkens kommentiert und bewertet einen
jeden Schritt den wir tun, ein jedes Gefühl das wir haben, einen jeden
Menschen den wir treffen ... ständig. Unsere Vernunft bewertet den Fluss
mit: Das ist zu intensiv!", "Das darf ich nicht sein!", "Das
will ich unbedingt haben!" oder "Das ist nicht normal!".
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Denken stoppt das Erleben
Übernimmt die Ratio das Feld komplett, manipuliert sie den Fluss des Erlebens. Dann stemmen wir uns mit aller Kraft gegen den natürlichen Verlauf der Dinge:
- Statt zu sehen wie die Dinge kommen, wollen wir ES nicht erleben, weil es zu intensiv, gefährlich oder neu ist. Wir versuchen den Fluss zu stoppen, kämpfen gegen ihn an, laufen davon. Es kommt zu einer Stagnation.
- Satt zu sehen, wie die Dinge sich verändern, wollen wir es anders erleben. Es ist zwar OK, dass es da ist, aber bitte nicht so! Wir machen, tun, bremsen, beschleunigen, manipulieren, begradigen und biegen den Fluss.
- Statt zu sehen, wie die Dinge gehen, wollen wir alles behalten, an was wir uns so mühsam gewöhnt haben, aus Angst vor dem Verlust und dem Neuen.
Gegen den Fluss des Lebens
In all diesen Fällen arbeiten wir gegen den Fluss des Lebens - nur aus einem Konzept unseres Hirns wie es "anders sein sollte". Die Folgen sind vielfache:
- Es bilden sich Blockaden als Staudämme, hinter denen sich ungelebtes Erleben staut - oft als Emotionen, Sehnsüchte und Ängste.
- Unser Leben wird sehr anstrengend, denn ein jedes Schwimmen gegen den Strom und Halten von Dämmen verbraucht viel Kraft.
- Unser Leben wird grauer, denn mit dem Verneinen des Erlebens verblassen die Farben.
- Wir kreieren immer mehr Widerstand gegen Hingabe. Ein generelles "Nein" entsteht, eine tiefe Abwehrhaltung.
- Wir halten immer mehr am Bewährten fest, leben immer mehr in einem Käfig der Kontrolle.
- Wir erzeugen emotionalen und körperlichen Schmerz.
- Unterdrückte Emotionen wenden sich gegen uns oder Dritte, verdeckt oder explosiv.
Ratio erschafft Probleme und "schlimmes" "Leid"
Wir stauen immer mehr weggesperrtes Erleben, Emotionen, Bedürfnisse
oder Verhalten. Und damit wir diese Lebensberaubung nicht fühlen müssen,
erzeugt unser Verstand "Probleme". Probleme sind nichts anderes
als
verpackte
Erklärungen für die unliebsamen Erlebenszustände. Und diese
Problempäckchen fügen uns dann "Leid" zu, sind "schlimm",
"schwer", "schwierig" und wir "schlecht drauf".
Alles nur Konstruktionen der Ratio, alles nur ein Überbau zur Ablenkung
vom Eigentlichen. Eine Umkehr von Ursache und Wirkung, denn ein Erleben ist
nie schlimm - nur dessen Verdrängung tut höllisch weh. Und damit
wir uns nicht einmal damit beschäftigen müssen, suchen wir Schuldige
in uns oder im Gegenüber und versuchen die Verantwortung für unser
"Leid" loszuwerden. Scham, Schuld, Anklage, Reue, Neid, Eifersucht,
Selbstverurteilung oder Arroganz sind nichts weiter als Ablenkungsmanöver
vom Pudels Kern - von uns!
Drei Beispiele wie man leiden kann
Es wäre müßig uns mit den unzählig vielen Varianten des Leids auseinanderzusetzen - beruhen Sie doch eh alle auf der gleichen obigen Grundlage. Um jedoch das Gespür dafür ein wenig zu schärfen, hier einfach einmal drei Beispiele, wie sich Leid manifestieren kann - als unser Widerwille gegen den Fluss des Lebens und den Weg unserer Seele.
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